Fasten als Diät?
Heilfasten hat viele positive Effekte auf Körper und Geist. Eine Reinigung von allerlei Gift- und Schlackenstoffen verspricht ein besseres Funktionieren der Verdauungsorgane, entlastet Herz und Lunge, baut eingelagerte Umweltschadstoffe ab und bringt den Kreislauf in Schwung. Der Organismus kann sich wieder seinen eigentlichen Aufgaben widmen und wird nicht mehr als Deponie für allerlei Ablagerungen beansprucht.
Möglichen Gesundheitsschwächen wird vorgebeugt, bestehende Probleme, etwa im Darm oder der Haut werden, werden in ihrem Heilungsprozess unterstützt. Selbst Schwierigkeiten beim Einschlafen oder eine ausgeprägte Nervosität lassen sich durch Heil-Fasten mildern und unter Umständen gänzlich beseitigen. Allerdings ersetzt keine Fastenkur die eventuell nötige ärztliche Behandlung, gerade akute und schwer verlaufende Erkrankungen lassen sich mit Fasten kaum bekämpfen.
Fasten und Abnehmen – Hallo Jo-Jo-Effekt
Bei all diesen Vorteilen scheint es, als ob auch ein nachhaltiges Abnehmen und damit eine bessere Figur durch das Fasten möglich ist. Immerhin sorgt der Nahrungsverzicht für das Ausscheiden eben all jener Fremdkörper, die auch im Bindegewebe und in den Muskeln sich ablagern.
Fasten wäre nach diesen Vorstellungen auch eine besonders gesunde und effektive Diät, geeignet für fast jeden und besonders einfach durchzuführen, müssten die Probanden doch schlichtweg nur ihren zugrunde liegenden Fastenplan einhalten. Die Traumfigur wäre dann ein willkommener Nebeneffekt. Heilen und Abnehmen – geht das? Leider verhält es sich auch an dieser Stelle wie mit so vielen Wunschvorstellungen: Die Realität sieht ganz anders aus.
Fasten stärkt das Immunsystem und kurbelt den Stoffwechsel an – erfolgreiches Abnehmen verspricht es hingegen nicht. Das ist vielen am Fasten Interessierten gar nicht bewußt. Im Gegenteil, bei vielen Menschen lässt sogar der gefürchtete Jo-Jo-Effekt beobachten. Freilich ist das kein Grund, vom Heilfasten Abstand zu nehmen, vielmehr sollten Betroffene klar zwischen ihren Absichten trennen, um die richtige Therapie für sich selbst zu finden. Wer abnehmen möchte, sollte nicht fasten – und umgekehrt!
Entgiftung ist das Ziel, nicht Gewichtsabnahme
Um etwa ein massives Übergewicht zu beseitigen, braucht es weitergehender Maßnahmen wie Sport, Ernährungsumstellung oder in manchen Fällen sogar chirurgischer Eingriffe. Allerdings können gerade adipöse Patienten durch eine Fastenkur gewinnen, hilft diese doch auch beim Abbau vieler Giftstoffe, die den durch das Gewicht ohnehin schon schwer beanspruchten Organismus noch zusätzlich schädigen. Diese Giftstoffe nicht aufzunehmen ist inmitten unserer modernen Lebensweise gar nicht mehr möglich.
Jeder, und mag er noch so gesund und bewußt leben, kommt mit chemischen Belastungen, Abgasen, Alkohol, Fett und Zucker in Berührung, ausgeschlossen davon sind wahrscheinlich nur konsequente Einsiedler, die freilich sehr selten geworden sind. Deshalb finden sich in jedem Körper gewisse Belastungsquellen, alles andere wäre wiederum pures Wunschdenken. Sie abzubauen und aus zu scheiden ist der eigentliche Sinn des Heilfastens.
Wird eine Heilfastenkur begonnen, verliert der Patient zunächst tatsächlich einige Pfunde. Eine echte Diät ist es aber eben nicht. Je nach Dauer der Kur verzeichnet der Körper einen sichtbaren Flüssigkeitsverlust, später verkleinern sich dann auch die Fettdepots. Doch der bereits erwähnte Jo-Jo-Effekt macht dieser Entwicklung recht schnell ein Ende und kehrt ihn bald wieder ins unerwünschte Gegenteil.
Warum verhält sich unser Körper auf diese Weise?
Seit dem Beginn der Menschwerdung vor vielen Tausenden Jahren hat sich unser Körper immer wieder auf mögliche Notzeiten eingerichtet. Standen relativ wenig Kalorien, vor allem von den stärkenden Eiweißen, zur Verfügung, ging der Stoffwechsel auf Sparflamme und fuhr den Verbrauch von Energie herunter. Für die Verrichtungen des Alltag verwendete der Organismus nur das Nötigste an Energie – bis die Zeiten des Mangel vorüber waren.
Heutzutage versuchen wir mittels einer Diät genau diese Notzeiten zu simulieren. Ist die Diät vorbei, beginnt der Körper sofort und als Erstes die lebensnotwendigen Fettdepos aufzufüllen. Mancher wundert sich darüber, dass die Pfunde schneller wieder wachsen als sie zuvor verloren gingen. Unser Körper ist vorrangig auf Überleben und danach erst auf Attraktivität getrimmt, diesen biologisch-natürlichen Prozessen zu widerstehen, erfordert Geduld und Einfallsreichtum.
Auf Dauer abnehmen, aber wie?
So kann beispielsweise eine echte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten auch dauerhaft zur Sicherung eines bestimmtes Gewichts führen. Der Königsweg beinhaltet dann auch die Aufnahme von Lebensmitteln, die zwar alle Nährstoffe wie die schweren Speisen beinhalten, dabei jedoch weniger die Fett- und Reservedepots ansprechen. Manche Menschen führen demzufolge auch schädliche und gefährliche Diäten zu, etwa in dem sie konsequent auf Salz und Zucker verzichten, die doch beide – in Maßen – für das Funktionieren des Körpers sehr wichtig sind.
Regelmäßige Bewegung, ein wenig Sport und eine bewußte Ernährung reduzieren das Gewicht nachhaltiger als das eigentliche Heilfasten. Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, sollte deshalb immer mal wieder fasten UND gelegentlich eine Diät durchführen, wenn das denn nötig erscheint. Ein ausgewogene Ernährung sorgt jedoch bereits vorbeugend für realistische und gute Ergebnisse. Darüber hinaus hängt der Energie- und Nahrungsbedarf natürlich auch von der jeweiligen Konstitution der Betroffenen ab, was bei einer Diät oder auch einer Fastenkur immer bedacht werden muss.
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