Entsäuerung unter der Lupe
Entschlacken, Entschlackung, Entsäuerung, Entgiftung – wer heute diese Worte verwendet, möchte in der Regel ein besonderes Bewußtsein gegenüber einer gesunden Lebensweise ausdrücken. Diese Begriffe, dem umfangreichen Bezirk des Fastens und Heilfastens entlehnt, wurden in den letzten Jahren zu regelrecht geflügelten Worten, beinahe jeder kennt sie und verwendet sie im Zusammenhang mit Gesundheit und körperlichem wie geistigem Wohlergehen.
Dabei machen sich freilich nicht wenige Schulmediziner über diese Ausdrücke lustig und verweisen auf eine mangelhafte Begriffsbasis, ja sie äußern sogar deutliches Unverständnis gegenüber der zunehmenden Verklärung solcher Verfahren. Manche Ärzte halten Entschlackung und Entsäuerung dann auch für schlichten Humbug ohne wissenschaftliche Grundlage. Viele kennen sich weder mit dem propagierten Effekt noch mit der eigentlichen Wirkungsweise dieser Verfahren aus.
Warum ist eine Entsäuerung nötig?
Grundsätzlich gilt natürlich auch hier: Eine echte Basis für eine gesunde Lebensweise schaffen körperliche Fitness, unterstützt durch Sport und ausreichend Bewegung, und eine möglichst natürliche Ernährung. Neben diesen allseits bekannten Binsenweisheiten verweist der Fastende auf die Entsäuerung als wichtigen Faktor einer gesunden Lebensweise. Was aber ist unter Entsäuerung, die gleichzeitig eine Entschlackung begünstigt, zu verstehen? Ist sie wirklich nötig und vor allem sinnvoll?
Unsere westlichen Gesellschaften haben durch den allgemeinen Überfluss an Nahrung zu speziellen Ernährungsgewohnheiten geführt, die im Großen und Ganzen mit der ursprünglichen, natürlichen Lebensweise nichts mehr zu tun haben. Millionen Jahre der Evolution wurden in wenigen Jahrzehnten konterkariert, die industrialisierte Landwirtschaft wird durch genetische Beeinflussung und ausgeklügelte Düngeverfahren zu Höchstleistungen getrieben.
Auch synthetische Stoffe halten immer mehr Einzug auf die Speisezettel, Krankheiten und Übergewicht bei vielen Menschen sind die Folgen. Beispielsweise ist etwa Zucker ein Stoff, der in der Natur relativ selten und zumeist als Fruchtzucker gebunden auftritt. Die moderne Ernährung enthält jedoch große Mengen Zucker, auf die der menschliche Organismus eigentlich gar nicht vorbereitet ist. So leiden in Amerika verhältnismäßig viele Kinder bereits an Diabetes, einer Krankheit, die eigentlich erst im Alter auftritt.
Ausgleich zwischen Basen und Säuren
Die Folge dieser falschen Ernährung, so die Befürworter des Entschlackens, ist eine allgemeine Übersäuerung unserer Körper. Das Bedürfnis nach Ausscheidung dieses zahlreichen Säuren äußert sich in Anfälligkeiten gegenüber Infekten, Unwohlsein, Müdigkeit und zahlreichen anderen Belastungen. Krankheiten wie Rheuma, Arthrose, Nierensteine, Osteoporose, Migräne, Allergien und vieles mehr gehen auf eine Übersäuerung zurück.
Um dies zu ändern, ist ein Ausgleich zwischen Basen und Säuren im Körper zwingend nötig. Dabei heißt Entsäuern keinesfalls die Unterbindung jeglicher Säurezufuhr. Säuren sind für die Verdauung unbedingt notwendig! Jedoch ist ein gesundes Maß anzustreben, etwa durch die Aufnahme basenreicher Lebensmittel. Die Umstellung der Ernährung verspricht auch größere Erfolge als die Zuführung von Basenpulver oder Tabletten.
Kaisernatron beispielsweise unterstützt zwar den Basenhaushalt, kann jedoch seine ausgleichende Wirkung durch das sehr schnelle Passieren des Darmes kaum entfalten. Ein großer Teil dieser Mittelchen wird ungenutzt ausgeschieden, die Präparate sind selbst als Zugabe in der Nahrung ohne große Wirkung. Da dies jedoch kaum bekannt ist, verkaufen sich solche Präparate natürlich hervorragend.
Richtig entsäuern
Viel besser eignen sich zur Entschlackung und Entsäuerung echte basenreiche Nahrungsmittel. Aus ihnen entwickeln sich wertvolle Vital- und Faserstoffe, unerlässlich für einen gesunden Organismus. Wer also seinen durch die alltägliche Ernährung ziemlich sicher in Unordnung geratenen Säurehaushalt verbessern will, sollte vor allem Lebensmittel aufnehmen, die eine nachweislich basische Wirkung entfalten.
Trinkgewohnheiten anpassen
Frische und möglichst pur gepresste Gemüsesäfte, vor allem mit Tomaten, Sellerie und Möhren gehören dazu, genau wie der Saft der in Asien besonders geschätzten Sojabohne. Auch das besonders deutsche Sauerkraut beziehungsweise dessen Saft eignen sich zum Entschlacken. Schon ein Löffel am Morgen davon reicht aus.
Auch die Trinkgewohnheiten sollten Abstand nehmen von übermäßigen Cola- oder Fruchtgetränken, reines Wasser oder auch Heilwasser unterstützen den Körper nachhaltig beim Ausscheiden der Säuren. Zitronensaft und Apfelessig sollten als basisch wirkende Getränke ebenfalls auf keinem Speisezettel fehlen.
Die optimale Balance finden
Darüber hinaus finden sich zahlreiche Rezepte für spezielle Basensuppen, deren Verzehr gerade im Rahmen einer entschlackenden Fastenkur sinnvoll erscheint. Um den Säuregehalt des Körpers zu überwachen, sollte morgens, mittags und abends der ph-Wert des Eigenurins bestimmt werden. Apotheken verkaufen entsprechende Teststreifen. Die aufgenommenen Werte werden durch 3 geteilt, der daraus resultierende Wert gibt dann Aufschluss über den Säure- und Basenhaushalt.
Ideal ist dabei ein Wert von 6,9. Wer über 7,5 oder sogar 8 als ph-Wert aufweist, sollte sich mit einem Arzt beraten, da hierbei bereits eine sogenannte „Säurestarre“ eingetreten sein kann, die intensiver medizinischer Betreuung bedarf, da sie in der Regel mit massiven körperlichen Beschwerden einher geht. Alleiniges Fasten hilft dabei nicht mehr.
Vorbeugend und natürlich auch bei leichten und mittleren Verschiebungen des Körperhaushalts sollte die Ernährung umgestellt werden. Vielversprechend basische Lebensmittel sind etwa Kartoffeln, das bereits erwähnte Soja, Blattsalate, Zwiebeln und ausgewählte Säfte. Simples Wasser, von vielen Menschen kaum getrunken, hat ebenso einen spülenden, reinigenden Effekt.
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